Histaminunverträglichkeit - Wissen kompakt (1/2)

Histaminunverträglichkeit (Artikel 1/2) Wissen kompakt
 

Symptome / Beschwerden

 

Mögliche Ursachen & Zusammenhänge

Histaminunverträglichkeit (Artikel 2/2) Diagnostik
 

Therapie (ursächlich & symptomatisch)

 

Empfehlungen, Ernährungspläne & zu meidende Medikamente


Wissen kompakt

Die Histaminunverträglichkeit wird auch Histaminose oder Histaminintoleranz (HIT) genannt. Histamin ist in sehr vielen Lebensmitteln enthalten, kann aber auch von unserem Körper selbst hergestellt werden. Außerdem gibt es im Darm sog. Histaminbildner, also Bakterien, die Histamin produzieren. HIT ist eine Stoffwechselstörung, bei der der Körper das Histamin nicht ausreichend abbauen kann. Eine Histaminintoleranz kann angeboren (durch Enzymdefekt) aber auch erworben sein.

Histamin ist ein Gewebshormon und wird in Mastzellen, Hautzellen, Nervenzellen und in der Magenschleimhaut gebildet. Es ist ein Neurotransmitter, also ein Botenstoff, der Einfluss nehmen kann auf die Bildung der Magensäure, der Appetitsteuerung und auf den Schlafrhythmus. Histamin spielt außerdem eine zentrale Rolle bei allergischen Reaktionen, Abwehr körperfremder Stoffe und bei Entzündungsreaktionen, um ein Anschwellen des Gewebes zu bewirken.

Die HIT gilt als Chameleon unter den Unverträglichkeiten - es gibt nämlich zahlreiche Symptome und Beschwerden, die mit Histamin in Zusammenhang gebracht werden, von Hautsymptomen über Kopfschmerzen, Juckreiz, Herzrasen, Magen-Darm-Beschwerden uvm.

Allergie oder Unverträglichkeit?

Eine Allergie ist nicht identisch mit einer Unverträglichkeit. Bei Allergien kommt es in der Regel schon sehr zeitnah zu Symptomen - Durchfall z.B. direkt nach einer Mahlzeit.  

Bei Unverträglichkeiten können sich diese auch erst innerhalb von 72 Stunden nach Nahrungsaufnahme bemerkbar machen. Da die Histaminintoleranz zu den Unverträglichkeiten zählt, fällt es schwer, die nicht tolerierten Lebensmittel nur durch Selbstbeobachtung zu ermitteln. Schließlich nimmt man normalerweise innerhalb dieser 3 Tage Reaktionszeit mehrere verschiedene Lebensmittel zu sich, wodurch die Zuordnung der auftretenden Beschwerden zu einem bestimmten Nahrungsmittel fast unmöglich erscheint.


Symptome / Beschwerden bei Histaminintoleranz

Mögliche Symptome einer Histaminintoleranz sind:

  • Magen-Darmtrakt:
    • Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen, Völlegefühl
  • Haut: 
    • Hautrötung, Nesselsucht, Hautausschläge (Ekzem), Juckreiz, Hauteinrisse und Bläschen
  • Nervensystem:  
    • Kopfschmerz bis zu Migräneattacken, Hitzegefühl, Schwindel, Orientierungsstörungen
  • Atemwege:
    • verstopfte Nase, Niesreiz, Fließschnupfen, Nasenschleimhautschwellung, Atembeschwerden, Asthma, Verengung der Luftröhre
  • Herz-Kreislauf:
    • niedriger Blutdruck, Herzrasen, unregelmäßiger Puls
  • Genitaltrakt:
    • Regelblutungsstörungen

 

Typisch ist das Anschwellen der Nasenschleimhaut nach Rotwein-, Sekt- oder Käsegenuss, Kopfschmerzen schon nach kleinsten Mengen Alkohol

 

oder eine fleckige Rötung der Wangen, des Halses und im Dekolteebereich


Mögliche Ursachen und Zusammenhänge bezüglich Histaminintoleranz

  • Histaminreiche Ernährung
  • Eigenproduktion von Histamin
  • Mangel an DAO (Diaminoxidase)
  • Säure-Basen-Haushalt
  • Medikamenteneinnahme bei HIT
  • Histaminbildner im Darm

Ernährung und Histamin

Täglich führen wir uns Histamin über unsere Ernährung zu.  

Außerdem von Bedeutung sind Lebensmittel, die histaminähnliche Stoffe, so genannte biogene Amine, z.B. Tyramin, Phenylethylamin oder Serotonin enthalten. Diese Amine verbrauchen für den Abbau nämlich das gleiche Enzym, wie das Histamin.

Die Verträglichkeitsgrenze von Histamin liegt bei ungefähr 10 mg. Größere Mengen Histamin führen zu einer Vergiftung (Histaminose), die durch akute Beschwerden gekennzeichnet ist.100 mg Histamin führen bereits zu deutlichen Beschwerden. Die Verträglichkeitsgrenze ist bei  Patienten mit einer Histaminunverträglichkeit deutlich herabgesetzt.

Auch histaminarme Nahrungsmittel können ein Problem darstellen

- bei der Ernährung müssen zusätzlich Lebensmittel, die das abbauende Enzym blockieren und die Histaminliberatoren berücksichtigt werden.

Histaminliberatoren sind Stoffe, die zu einer verstärkten Freisetzung von Histamin aus den Mastzellen in unserem Körper führen. Histaminliberatoren können in Lebensmitteln, Zusatzstoffe (z.B. Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel, Farbstoffe) aber auch in Medikamenten enthalten sein.

 

Bei HIT unverträglich gelten z.B. Hartkäse, Tomaten, Nüsse, Zitrusfrüchte, Schokolade, Geräuchertes, Sauerkraut, Konserven, lange gelagerte oder wiedererwärmte Lebensmittel uvm.

Im Bereich Therapie werden wir später näher auf die Ernährung bei Histaminunverträglichkeit eingehen - mit weiteren Infos, Tipps, Buchempfehlungen, App sowie Ernähungsplänen (Histaminplan streng und gelockert).

Eigenproduktion von Histamin

Auch psychische Faktoren und Emotionen, wie Stress bei der Arbeit oder in der Familie, Ärger, Streit, Schmerzen aber auch übermäßiger Sport oder Freude - also jede Art von Gefühlsregungen können als Histaminliberatoren wirken und zu starker Ausschüttung von Histamin führen.

Ein weiterer Auslöser für eine Histaminausschüttung können starke Hitze und Kälte sowie UV-Strahlung, Verbrennungen und Sonnenbrand sein.  Auch Giftstoffe, egal ob ein Insektenstich, bakterielle Gifte, durch Brennesseln oder sonstige Giftstoffe können eine mögliche Ursache für eine erhöhte körpereigene Histaminbildung und Ausschüttung darstellen.

Enzymmangel als Ursache von Histaminintoleranz

Histamin wird im Körper über zwei verschiedene Wege abgebaut. 

Der Abbau von Histamin erfolgt vorwiegend über das Enzym DAO (Diaminoxidase) und das Abbauprodukt Imidazolessigsäure wird dann über die Nieren ausgeschieden.

Im Zentralnervensystem erfolgt zunächst eine Inaktivierung von Histamin zum  Nτ-Methylhistamin durch das Enzym Histamin-N-Methyltransferase.

Alkohol gilt als Hemmer des histaminabbauenden Enzyms DAO.

Bedeutung des Säure-Basen-Haushalts

Die Wirkung von Enzymen im Körper ist abhängig vom Säure-Basen-Haushalt. 

Es besteht also die Möglichkeit, dass aufgrund einer Dysbalance im Säure-Basen-Haushalt das Enzym nicht in vollem Umfang wirken kann, obwohl genug vorhanden.

Medikamenteneinnahme bei Histaminintoleranz

Auch bestimmte Medikamente können eine Blockade der histaminabbauenden Enzyme bewirken und dessen Aktivität beeinträchtigen.

In unserem 2. Teil der Reihe Histaminintoleranz stellen wir auch eine Medikamentenliste zum Download bereit, die Wirkstoffe und Arzneimittel von A-Z aufzeigt, die bei Histaminunverträglichkeit kontraindiziert sind.

Dysbiose - Darmbakterien als Ursache von Histaminintoleranz

Es gibt im Darm gewisse Histaminbildner, also Darmbakterien, die selbst Histamin produzieren. Sollten diese vermehrt vorhanden sein, besteht eine grundlegende Dauerbelastung mit Histamin. Wenn dann noch vermehrt Histamin über die Ernährung zugeführt wird, kann es durch das Überangebot zu Beschwerden kommen.


Die Fortsetzung des Artikels "Histaminunverträglichkeit - Wissen kompakt" folgt

mit den Inhalten Diagnostik, Therapie (ursächlich & symptomatisch) und Empfehlungen, Ernährungsplänen & einer Liste aus zu meidenden Medikamenten.

 

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Dieser Artikel wurde von Bianka Wiggenhauser (Heilpraktikerin für Naturheilkunde und MTLA Med.-techn. Laborassistentin) verfasst. Alle Informationen stammen aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und persönlichen Erfahrungen aus der Praxis.


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