Behandlung von Nervenschmerzen & Empfindungsstörungen (1/2)

Behandlung von Nervenschmerzen & Empfindungsstörungen (Neuropathie) - Nervenerkrankungen & deren Ursachen, Erkrankungen mit möglicher Nervenbeteiligung, Diagnostik
Behandlung von Nervenschmerzen & Empfindungstörungen (Artikel 1/2) Verschiedene Nervenerkrankungen und deren Ursachen
 

Erkrankungen mit möglicher Nervenbeteiligung

 

Diagnostik

Behandlung von Nervenschmerzen & Empfindungsstörungen (Artikel 2/2)  Therapiemöglichkeiten bei Neuropathie
  - erscheint in Kürze  

 

Laut Experten leiden ca. 5% der Bevölkerung in Deutschland unter Nervenschmerzen.

Der verbreitete Sammelbegriff Neuropathie (von griechisch neuron "Nerv") oder Nervenkrankheit umfasst viele verschiedene Erkrankungen des Nervensystems. Sie können sich in Form von Schmerzen (Neuralgie) aber auch Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühlen äußern.

 

In diesem Beitrag möchten wir gezielt auf die körperlichen Symptome bei Nervenerkrankungen eingehen. Wir thematisieren die verschiedenen Nervenerkrankungen, deren Ursachen, mögliche Zusammenhänge, sowie Optionen zur jeweiligen Therapie.


Neuropathie - Schulterschmerzen

Dein Nervensystem ist wie ein Netzwerk aufgebaut und Informationen werden über gewisse Botenstoffe von einer Nervenzelle zur nächsten weitergeleitet.

Nervenschmerzen haben oft einen starken, spitzen Schmerzcharakter und treten häufig ganz plötzlich einschießend auf. Nervenreizungen und Nervenschädigungen können aber außer in Form von Schmerzen auch als Sensibilitätsstörungen (Kribbeln, Taubheit, ...) auftreten, wie z.B. beim Karpaltunnelsyndrom oder bei Diabetes.

Je nach Erkrankung und betroffenem Nerv sind auch weitere Symptome wie beispielsweise Sehstörungen möglich.

Die Schädigungen des Nervensystems können zu vorübergehenden Funktionsstörungen aber auch zu chronischen Verlaufsformen und dauerhafter Zerstörung von Nerven führen.

 

Verschiedene Nervenerkrankungen & deren Ursachen

Die Ursachen für Nervenbeschwerden können vielseitig sein. Sowohl durch eine Nervenentzündung (Neuritis), als auch durch Nervenverletzungen z.B. durch einen Verkehrsunfall oder Schnittwunden und auch durch bestehende Grund- und Stoffwechselerkrankungen kann es zu Nervenschädigungen (Neuropathien) kommen:

 

1. Nervenschmerzen durch Druck & Reizung

Karpaltunnelsyndrom

Verschiedene Auslöser, wie ein Tumor, eine Bandscheibe, ein verschobener Wirbel oder ein verhärteter Muskel können auf einen Nerv drücken und ihn reizen.
Im Ellbogenbereich kann es ebenfall gehäuft zur Reizung von Sehnenansatz und Nerven kommen (Golfer- oder Tennisarm durch Überlastung).

 

Auch eingeklemmte Nerven (sog. Engpasssyndrom) können zu Schmerzen und Empfindungsstörungen führen. Diese Art von Nervenreizung zeigt sich z.B. beim Karpaltunnelsyndrom *

 

Bei zu engem Nervenkanal im Handgelenksbereich (Karpaltunnel) - also verstärktem Druck auf den Nerven - kann es zu Kribbeln, Taubheitsgefühl bis hin zu starken Schmerzen in der Hand und v.a. den 3 Fingern - Daumen, Zeige- und Mittelfinger kommen. Typisch für das Karpaltunnelsyndrom sind auch verstärkte nächtliche Beschwerden.

 

2. Neuropathie als Folge anderer Grunderkrankungen

Bei einer Neuropathie können ein oder mehrere Nerven geschädigt sein. Sind mehrere Nerven betroffen, spricht man von Polyneuropathie. Hier kommt es zu einer Störung der Reizweiterleitung. Der Reiz wird entweder garnicht oder zu stark weitergeleitet. Die Beschwerden zeigen sich meist im Bereich von Armen und/oder Beinen und sind häufig Folge anderer Grunderkrankungen, wie beispielsweise der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus oder Alkoholismus.

 

3. Nervenschmerzen durch Infektionen

Nervenentzündungen und  -schmerzen können auch durch Infektionen hervorgerufen werden. So können z.B. vor allem Viren im Körper in den Nervenbahnen überdauern und bei bestimmten Situationen wieder ausbrechen. Am bekanntesten ist wohl der Lippenherpes, den man immer wieder im Leben bekommen kann, wenn man einmal Kontakt damit hatte. Es genügen dann gewisse  Lebensumstände, wie übermäßiger Stress, Sorgen, ein grippaler Infekt oder auch Ekel, um einen erneuten Ausbruch mit Bläschen auszulösen.

So können auch Herpes Zoster Viren (Erreger von Windpocken und Gürtelrose), HIV-Viren, SARS-CoV-2 (Coronaviren) aber auch Borrelien (Bakteien) zu Neuralgien und Neuropathien führen.

 

Hierbei ist zu erwähnen, dass nicht nur die Infektion, sondern auch die Impfung zu neurologischen Auffälligeiten führen kann. Vor allem nach Impfungen gegen Gürtelrose und COVID-19 werden vermehrt über Nervenschmerzen und andere Funktionsstörungen des Nervensystems (vereinzelt auch Lähmungen) berichtet.*

 

4. Nervenschädigungen durch Giftstoffe

Auch Giftstoffe können die Nerven schädigen. Diese können über Medikamente (z.B. über eine Chemotherapie) oder über Lebensmittel (z.B. Schwermetalle, Alkoholmissbrauch, ...) in den Körper gelangen. Außerdem gibt es bestimmte Keime, die Giftstoffe produzieren, wie beispielsweise verschiedene Schimmelpilze oder der bekannte Hefepilz "Candida albicans". Genauso können Borrelien neurotoxische Substanzen bilden. Auch Pflanzenschutzmittel (Pestizide) können zu Nervenstörungen führen.

 

5. Autoimmun- bedingte Nervenerkrankungen

Bei Autoimmunerkrankungen kommt es zum Angriff des Immunsystems auf körpereigene Strukturen. Beispielsweise werden bei der MS (Multiplen Sklerose), dem "Guillain-Barré-Syndrom"* oder bei "Myasthenia gravis" Nerven bzw. Myelinscheiden geschädigt.

Bei den Myelischeiden handelt es sich um eine Art Ummantelung - eine Schutzschicht, die um das Ende von Nervenzellen gelegt ist. Mark- bzw. Myelinscheiden dienen der Ernährung und Schutz der Nervenfasern. Auch zur bioelektrischen Isolation und Beschleunigung der Erregungsleitung ist die Myelinschicht von großer Bedeutung. *

Eine Demyelinisierung kann zur Verringerung der Nervenleitgeschwindigkeit führen.

 

Heute wird angenommen, dass es bei Autoimmunerkrankungen durch eine zurückliegende Infektion (v.a. durch Viren) zu einer Kreuzreaktion gekommen sein könnte. Die Abwehrstoffe sollen sich fälschlicherweise deshalb gegen körpereigene Zellen richten. Auch ein ursächlicher Zusammenhang mit einem Leaky Gut Syndrom (durchlässiger Darm) wird diskutiert. Generell liegt bei Autoimmunerkrankungen häufig auch eine Dysbalance an TH1 / TH2 -Zellen (T-Helferzellen = Spezielle Zellen des Immunsystems) vor * - meist mit einer Dominanz an TH1-Zellen. Ein zusätzlicher Mangel an TH2-Zellen kann zur Verstärkung der Erkrankung beitragen.

 

Es gibt außerdem mittlerweise eine Reihe von Hinweisen darauf, dass auch Autoimmunerkrankungen im Zusammenhang mit Impfungen oder einer COVID-19 Infektion stehen können.****

 

6. Neurologische Beschwerden aufgrund von Nährstoffmangel

Verschiedene Mineralstoffe und Vitamine - vor allem die B-Vitamine sind wichtige Faktoren für die Funktion des Nervenstoffwechsels:

Nährstoffmangel    Symptomatik
Eisenmangel Restless legs (ruhelose Beine) und Missempfindungen
Vitamin B1-Mangel Periphere Neuropathie (Empfindungsstörung), Schwäche, Fußbrennen, Diabetes-Folgeerkrankung: Polyneuropathie
Vitamin B2-Mangel Periphere Neuropathie (Empfindungsstörung), Muskelschwäche
Vitamin B3-Mangel Enzephalopathie (Gehirnfunktionsstörung, Zittern, Steifigkeit...)
Vitamin B5-Mangel Muskelkrämpfe, Taubheit, brennender Schmerz in den Fußsohlen
Vitamin B6-Mangel Lähmungen, Gangstörungen, periphere Neuropathie (Empfindungsstörung), Demyelinisierung der Nerven, Sensibilitätsstörungen, epileptische Krämpfe, Tremor (Zittern)
Vitamin B9-Mangel (Folsäure) Erhöhtes Risiko für Demenzerkrankungen und Polyneuropathie
Vitamin B12-Mangel Nervenschmerzen, Parästhesien (Empfindungsstörungen wie Taubheit, Kribbeln & "Ameisenlaufen"), Muskellähmungen, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
Vitamin E-Mangel Nerven- und Muskelerkrankungen, Nervenschmerzen, Muskelentzündungen und - schmerzen

 

Einem Mangel kann effektiv durch Supplementiernug der wichtigen Nährstoffe für das Nervensystem entgegengewirkt werden. Im 2. Teil dieser Blog-Serie gehen wir aber nochmals gezielt und ausführlich auf die Therapiemöglichkeiten bei Nervenerkrankungen ein.


Beispiele typischer Erkrankungen mit möglicher Nervenbeteiligung

Es gibt zahlreiche Krankheiten, die mit neurologischen Symptomen, wie Nervenschmerzen oder auch Empfindungsstörungen in Verbindung stehen können.

  • Verschiedene Formen von Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, ...
  • Hexenschuss
  • Bandscheibenvorfall
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Tennisarm
  • Schlaganfall
  • Rückenmarksverletzung
  • Narbenschmerzen, insbesondere nach Operationen an der Bandscheibe oder am Spinalkanal
  • Ischialgie
  • Polyneuropathie
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Post-Zoster-Neuralgie (Nach Gürtelrose)
  • Alkoholkrankheit
  • Migräne
  • Zahnschmerzen
  • Trigeminusneuralgie (Nervenschmerzen im Gesicht)
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Borreliose-Infektion (Bannwarth-Syndrom)
  • HIV-Infektion
  • Post-Covid-Syndrom
  • Phantom- und Stumpfschmerzen (bei amputierten Gliedmaßen)
  • Beschwerden während / nach Chemotherapie

Diagnostik bei Störungen des Nervensystems

Häufig führt schon die Anamnese (Patientengespräch und Schilderung der Symptomatik), sowie die körperliche Untersuchung zur Verdachtsdiagnose. Jedoch sind manchmal auch weitere Verfahren, wie z.B. Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit, gewisse bildgebende Verfahren und die Labordiagnostik zur Diagnosesicherung erforderlich bzw. werden zur Therapiefindung herangezogen.

 

Wegweisende Laborparameter zur Klärung möglicher Ursachen und Zusammenhänge von Nervenschmerzen und/oder Empfindungsstörungen sowie zur Analyse passender Therapieoptionen können sein:

  • Blutzuckerwerte: Glucose und Langzeit-Blutzuckerwert HbA1C (zur Diabetes-Diagnostik)
  • CRP = C-reaktives Protein zur Abklärung einer Entzündung
  • Ausschluss mikrobiell bedingter Neuropathien beispielsweise durch Borrelien, Corona-, Herpes- oder sonstige Viren über Blutkultur und Bestimmung von spezifischen Antikörpern
  • Vitamin D3
    • Mangel kann Entstehung von Diabetes begünstigen
    • Indikator zur Klärung möglicher Ursachen & Therapieoptionen
  • Selen
    • Mangel könnte auf Autoimmunerkrankungen hindeuten und kann dessen Symptome verstärken **
  • Eisen / Ferritin
  • Holotranscobalamin (aktive Form von Vitamin B12), evtl. weitere B-Vitamine
  • Hormonspiegel von Progesteron & DHEA-S bei autoimmun bedingter Nervenerkrankung und Verdacht auf Zusammenhang mit Hormonmangel
  • Zink
    • Zink wird für die Herstellung, Ausschüttung und Speicherung von Hormonen benötigt.
  • Bei Verdacht auf Autoimmunerkrankung: Großes Blutbild sowie IFN-γ (Interferon- gamma) und IL-4 (Interleukin-4) zur Bestimmung des TH1/TH2-Verhältnis *

 

Dies ist nur der erste Teil unserer Serie zur Neuropathie. Im zweiten Beitrag werden wir detailliert auf Ursachen-bezogene Therapiemöglichkeiten bei Nervenerkrankungen eingehen. Dieser erscheint in Kürze - sei also gespannt!

 

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Dieser Artikel wurde von Bianka Wiggenhauser (Heilpraktikerin für Naturheilkunde und MTLA Med.-techn. Laborassistentin) verfasst. Alle Informationen stammen aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und langjährigen persönlichen Erfahrungen aus der Praxis.


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Quellen & Verweise

Stand: Juli 2022, alle Angaben ohne Gewähr

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