Das Hormonsystem der Frau in Balance (3/3)

Das Hormonsystem der Frau in Balance - Natürliche Therapiemöglichkeiten & Wirkung von Mikronährstoffen auf den Hormonhaushalt
Hormonsystem-Balance (Artikel 1/3) Wissen kompakt
 

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 Hormonsystem-Balance (Artikel 3/3)

Natürliche Therapiemöglichkeiten zur Hormonregulation

 

Wirkung von Mikronährstoffen auf den Hormonhaushalt

 

Empfehlungen & Literatur


Im dritten Teil unseres Hormon-Blogs informieren wir dich ausführlich über natürliche Therapiemöglichkeiten zur Hormonregulation.
Außerdem erhältst du Empfehlungen zu Apotheken, die sich auf die Herstellung natürlicher, bioidentischer Hormone spezialisiert haben, sowie zu interessanten Büchern.

Natürliche Therapiemöglichkeiten zur Hormonregulation

Wir raten zunächst, sich über Speicheldiagnostik ein Bild über die individuelle hormonelle Ausgangslage zu verschaffen und basierend darauf die passenden Wirkstoffe bzw. Therapeutika zu wählen.

1. Bioidentische Hormone 🧬

Wie bereits erwähnt, gibt es Hormonpräparate in bioidentischer Form, die z.B. als Cremes verwendet werden:
Die Einreibung einer kleinen Menge erfolgt meist im Bereich des Handgelenks oder der Unterarminnenseite. Diese Hormoncremes gibt es in unterschiedlichen Dosierungen und Zusammensetzungen. Sowohl Pregnenolon, Progesteron, Östradiol, Östriol, Testosteron, als auch DHEA gibt es in bioidentischer Form.

Ab einer gewissen Dosierung sind diese rezeptpflichtig, in geringer und homöopathischer Form sind sie frei verkäuflich. Wir empfehlen den Bezug über Apotheken, die sich auf diese Art der Hormonpräparate spezialisiert haben.

 

2. Phytohormone 🌻

Phytohormone (Symbolbild)

Viele Pflanzen haben Inhaltsstoffe, die die Hormonproduktion beeinflussen können. Diese sind dann zwar natürlichen Ursprungs, allerdings nicht bioidentisch.
Die Substanzen besetzen die jeweiligen Hormonrezeptoren, wirken allerdings nicht so stark, wie die körpereigenen oder bioidentischen Hormone.
Erhältlich sind sowohl pflanzliche Reinsubstanzen, als auch kombinierte Pflanzenmischungen - sogenannte Komplexmittel.
Es gibt Phytohormone mit vorwiegend Östrogenwirkung, andere haben Progesteron fördernde Wirkung, wieder andere fördern Testosteron, DHEA oder Cortisol. Außerdem gibt es Mittel, die auf die Hormonproduktion in den Nebennieren wirken oder die Regulation im Bereich der Hirnanhangsdrüse oder Hypothalamus im Gehirn zentral beeinflussen können.

 

Substanzen mit überwiegend östrogenartiger Wirkung:

Substanzem mit überwiegend progesteronartiger Wirkung:

Substanzen mit überwiegend testosteronartiger Wirkung:

 

Wirkstoffe unter der Lupe 🔍

Auf einige der Substanzen ist es interessant, nochmal genauer einzugehen:

 

Bei Östrogenmangel:

 

Cimicifuga (Traubensilberkerze) 

Zahlreiche klinische Studien konnten positive Effekte von Cimicifuga bei Östradiolmangel und eine gute Wirkung bei Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Nervosität, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit und Stimmungslabilität nachweisen.

 

Cimicifuga und weitere Phytohormone sind z.B. im Komplexpräparat Flash Fighters von fairvital enthalten.
Auch das Kombimittel Nutrifem Agnubalance von Biogena mit den Hauptwirkstoffen Yamswurzel-, Hopfen- und Sojaextrakt ist ein bewährtes Mittel bei Wechseljahrsbeschwerden.

 

Isoflavone - Rotklee und Soja für die Hormonbildung

Rotklee und Soja enthalten große Mengen an Isoflavonen, die überwiegend östrogenartig wirken.

Rotklee wird nicht nur im Klimakterium, also in den Wechseljahren eingesetzt. Es kann die Herzfunktion, sowie die Stimmung, Schlaf und die Haut positiv beeinflussen. Positive Effekte konnten beispielsweise auch bei Akne und im Bereich Anti-Aging beobachtet werden.

 

Es wird die Kombination mit B-Vitaminen empfohlen, da diese bei allen Stoffwechselvorgängen im Körper eine entscheidende Rolle spielen. Vor allem das Vitamin B5 (Pantothensäure) wirkt anregend bzw. normalisierend auf die Nebennierenrinde (in der Nebenniere findet Hormonproduktion statt).

 

Rotklee-Komplex von Geovis beispielsweise vereint Rotkleeblüten-Extrakt mit allen B-Vitaminen in einem Präparat.


Bei Progesteronmangel und Östrogendominanz:

 

Mönchspfeffer (Agnus castus) 

Mönchspfeffer ist eine Heilpflanze, die traditionell bei Zyklusstörungen, Wechseljahrsbeschwerden und Kinderwunsch eingesetzt wird. Agnus castus wirkt zentral über die Hirnanhangsdrüse auf die Progesteronbildung ein und kann dessen Produktion im Eierstock stimulieren, was für den Eisprung unerlässlich ist.
Phytohormone mit progesteronartiger Wirkung finden Verwendung sowohl bei Progesteronmangel, als auch bei Östrogendominanz mit Symptomen, wie schmerzhaften oder verstärkten Regelblutungen, PMS und Brustspannen.

 

Flash Fighters von fairvital mit hochdosiertem Mönchspfeffer-Extrakt und Süßholz kombiniert Phytohormone mit progesteronartiger und östrogenartiger Wirkung in einem Präparat.


Bei ausschließlichem oder deutlichem Progesteronmangel bzw. Östrogendominanz empfehlen wir 3%ige bioidentische Progesteroncreme (rezeptpflichtig z.B. hier).


Bei Testosteronmangel:

 

Tribulus Terrestris (Erd-Burzeldorn) 

Tribulus Terrestris ist eine Heilpflanze und wird auch Erdsternchen genannt. Dessen Hauptwirkstoff, Protodioscin, kann die Hirnanhangsdrüse stimulieren mehr Testosteron zu bilden.

Tribulus Terrestris soll die Spermienqualität und -beweglichkeit verbessern, sowie Libido, Leistungsfähigkeit und Muskelaufbau positiv beeinflussen können.


Bei DHEA-Mangel:

 

Bei Mangel an DHEA (dem Antistress-, Jungbrunnen- und Wohlfühlhormon) gibt es die Möglichkeit, dies über Nahrungsergänzungsmittel (NEM) in Kapselform oder über bioidentische Hormoncreme zuzuführen. DHEA ist in Deutschland rezeptpflichtig, in vielen anderen Ländern jedoch ein frei verkäufliches NEM.
Es gibt auch eine spezielle Form von DHEA, nämlich das 7-keto-DHEA, welches den Vorteil hat, dass dieses nicht in Östrogen umgewandelt werden kann. Außerdem ist es in dieser Form auch in Deutschland ohne Rezept erhältlich - die Wirkung (Erhöhung des DHEA Spiegels) ist in dieser Form jedoch leider schwächer.

Bei gleichzeitigem Mangel von DHEA und Progesteron ist auch die Gabe von Pregnenoloncreme (z.B. rezeptfrei über Marktapotheke Greiff) in Erwägung zu ziehen. Pregnenolon ist ein Vorgänger-Hormon, welches der Körper in Progesteron und DHEA umwandeln kann.


Wirkung von Mikronährstoffen auf den Hormonhaushalt

Vitamin D steuert den Aufbau von Sexualhormonen 🌞

Vitamin D ist für eine gesunde Schilddrüsenfunktion unerlässlich und nur, wenn die Schilddrüse gut versorgt ist, können auch die anderen Hormondrüsen im Körper ihrer Arbeit gut nachkommen.
Ist die Schilddrüse aus dem Takt, sind es auch die untergeordneten “Schaltstellen” wie die Geschlechtsdrüsen oder die Nebennieren.

Laut randominisierten placebokontrollierten Studien kann eine Vitamin D Supplementierung auch zur Anhebung des Testosteronspiegels beitragen.


Bemerkenswert ist auch, dass kaum ein Mensch in Deutschland die Optimalwerte an Vitamin D im Körper aufweisen kann und für fast jeden eine Supplementierung des erschwinglichen Sonnenvitamins (vor allem in den Wintermonaten) sinnvoll wäre.


Ashwagandha zum hormonellen Ausgleich und bei erhöhten Cortisolwerten

Ashwahandha ist eine traditionelle ayurvedische Heilplanze und auch unter den Namen Winterkirsche und Schlafbeere bekannt.
Es ist ein Adaptogen - wirkt also regulativ. So kann es z.B. einen erhöhten Cortisolspiegel (Stress) senken & allgemein das Hormonsystem in Balance bringen.
Ashwagandha kann die Stresstoleranz erhöhen, beruhigend, schlaffördernd & harmonisierend wirken.


Zink als natürlicher Aromatasehemmer

Bei der Aromatase handelt es sich um ein Enzym, das bei der Umwandlung von Testosteron zu Östrogenen eine bedeutende Rolle spielt.
Aromatasehemmer senken die Aktivität dieses Enzyms und können dadurch den körpereigenen Östrogenspiegel senken.


Aromatase-Hemmer (wie das natürliche Zink) werden bei Östrogendominanz eingesetzt.

Auch bei Gabe von Progesteron kann es sinnvoll sein, Zink oder andere Wirkstoffe zur Hemmung der Aromatase zuzuführen. Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass auch das bioidentische oder körpereigene Progesteron im Körper über Testosteron vermehrt in Östrogen umgewandelt wird (zur Veranschaulichung siehe Schaubild). Deshalb sollte jede Therapie immer individuell gestaltet und bei Bedarf die Dosierung angepasst werden.

Aromatase-Hemmer bei Brustkrebs

Auch bei der Therapie von Brustkrebs und Gynäkomastie (Vermehrung des Brustdrüsengewebes) werden in der Regel synthetische Aromatasehemmer und Antiöstrogene eingesetzt.
Da Östrogene (Östradiol) über Rezeptoren an der Oberfläche der Krebszellen das Wachstum der Tumorzellen und auch eine Metastasierung fördern können, ist naheliegend, dass durch die Aromatase-Hemmung dieses unkontrollierte, vermehrte Zellwachstum gebremst werden kann.

 

Bitte beachte, dass sich die Aufnahmefähigkeit von Zink durch Tannine (pflanzliche Gerbstoffe), wie Wein, Kaffee und Tee deutlich verschlechtern kann.

 

Natürliche Aromatase-Hemmer:

Zink und Zusammenhang mit Fruchtbarkeit, Libido und Menstruation

Zink spielt eine wesentliche Rolle bei der Fruchtbarkeit von Mann und Frau, der Reifung männlicher Geschlechtsorgane und der Spermienbildung.

Grundlegend sollte auch bei Beschwerden wie Unfruchtbarkeit, schmerzhafter Endometriose, Menstruationsbeschwerden, sowie bei erektile Dysfunktion und Libidomangel an Zink gedacht werden. 
Einen interessanten Beitrag über Zink und dessen Wirkung findest du hier


Indol-3-Carbinol zum Schutz vor schädlichem, krebserregenden Östrogen

Indol-3-Carbinol in Brokkoli und Kohlgemüse

Indol-3-Carbinol ist eine relativ "instabile" Substanz und kann deshalb im Magen-Darm-Trakt teilweise zu DIM (Diindolymethan) abgebaut werden.
Beide Stoffe haben ähnliche Wirkungen bezüglich Krebsgeschehen und Entgiftung:

  1. Bei beiden Substanzen handelt es sich um Antioxidantien.
    Es gibt erste Hinweise, dass beide in der Lage sind, HPV-Viren zu inaktivieren und krebserzeugendes Aflatoxin zu hemmen. Auch andere Chemikalien & Toxine (Giftstoffe) im Körper können dank dieser Substanzen schneller eliminiert werden.
  2. Beide Substanzen haben eine gewisse anti-östrogene Wirksamkeit.

    Sie erreichen dies durch:
    • Denaturierung von Östrogen zu einer deutlich schwächer wirkenden Form.
    • Blockierung der Östrogen-Rezeptoren auf den Zellmembranen.

      Es gibt Hinweise, dass dies nicht nur für Brustkrebs, sondern auch für Prostatakrebs von Bedeutung ist.
  3. DIM ist in der Lage, das "p21-Gen" zu restaurieren, welches "veränderten" Zellen signalisiert, wenn es Zeit ist, abzusterben. Die Reaktivierung dieses Gens bewirkt eine Apoptose (körpereigener, programmierter Zelltod) in der betroffenen Zelle- in diesem Fall der Krebszelle. Diese wäre zuvor durch das abgeschaltete Gen in der Lage gewesen, zu überleben.

    Es gibt weitere Hinweise, dass die Angiogenese (Gefäßneubildung) für die Blutzufuhr der Krebszellen durch DIM unterbrochen wird.

Wusstest Du, dass es gutes und schlechtes Östrogen gibt? 🤔

Wie etwa beim Cholesterin, wo umgangssprachlich zwischen dem "guten" HDL-Cholesterin und dem "schlechten" LDL-Cholesterin unterschieden wird, gibt es auch beim Östrogen "gute und schlechte" Varianten:
Das sog. "16-alpha-Hydroxyöstrogen" und das "4-Hydroxyöstrogen" gelten z.B. beide als krebserzeugende Varianten von Östrogen.

Eine andere Variante, die "2-Hydroxy-Form" dagegen hat den komplett gegenteiligen Effekt. Sie schützt vor Tumorbildungen.

 

Indol-3-Carbinol (v.a. in Brokkoli und anderem Kohlgemüse enthalten), scheint einen Einfluss darauf zu haben, welche Art von Östrogenen in unserem Organismus vermehrt gebildet werden. Es gibt mehrere Studien zu Indol-3-Carbinol, welches in der Lage sein soll, das 16-alpha-Derivat in die 2-Hydroxy-Form umzuwandeln.

Durch diesen Mechanismus wird nicht nur die Konzentration an krebserregenden Östrogen-Formen vermindert, sondern gleichzeitig die Konzentration an schützenden Derivaten erhöht.

Studien und Publikationen dazu findest du hier:

2-Hydroxyestron - das "gute" Östrogen

Glucosinolate als potenzielle Antikrebsmittel

Indol-3-Carbinol und Prostatakrebs

Wirkung von Indol-3-Carbinol als Antitumormittel


Quellenangaben, Literatur & Empfehlungen

Buchempfehlungen, die als Quelle dienten:

  • Natürliche Hormontherapie (Dr. med. Annelie Scheuernstuhl, HP Anne Hild)
  • Die Hormonrevolution (Dr. Michael E. Platt)
  • Die neue natürliche Anti-Baby-Pille (Regina Garloff, Klaus Schomann)

 

Apotheken, die sich auf bioidentische Hormone spezialisiert haben:


Dies ist der letzte Artikel unserer Serie zum Hormonsystem.

Falls du die anderen Teile verpasst hast:  Im ersten Teil geht es um die Symptome, sowie Ursachen einer Hormon-Dysbalance, während wir im zweiten Teil über Themen informieren, wie die Hormondiagnostik & Behandlungsmöglichkeiten und nützliche Tipps über die Ernährung zur Hormonregulation geben.

 

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Dieser Artikel wurde von Bianka Wiggenhauser (Heilpraktikerin für Naturheilkunde und MTLA Med.-techn. Laborassistentin) verfasst. Alle Informationen stammen aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und langjährigen persönlichen Erfahrungen aus der Praxis.


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Stand: Februar 2022, alle Angaben ohne Gewähr

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